75305 Neuenbürg, Bahnhofstr. 94 (Pforzheim / Karlsruhe)
Ende 2024 erhielten wir den Auftrag, rund 600 Schellackplatten für ein Museum zu digitalisieren. Für das gesamte Projekt standen lediglich vier Wochen zur Verfügung, da die Finanzierung über Fördergelder an eine feste Frist gebunden war.
Die Platten wurden in mehreren Kartons angeliefert. Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass keine Inventarliste vorhanden war. Die Schellackplatten waren weder nummeriert noch lag eine Dokumentation der enthaltenen Titel vor. Da eine vollständige Erfassung der Etiketten nicht Bestandteil des Auftrags war, musste zunächst eine praktikable Lösung gefunden werden, um die Digitalisate später eindeutig zuordnen zu können.
Zu diesem Zweck wurden alle Platten fortlaufend nummeriert. Anschließend fotografierten wir die Etiketten jeder einzelnen Platte unter standardisierten Bedingungen. Dadurch entstand eine eindeutige Verbindung zwischen den späteren Audiodateien und den zugehörigen Originalplatten. Das Museum konnte diese Fotografien später nutzen, um die Beschriftungen der Etiketten mit Hilfe moderner KI-Verfahren automatisiert auszuwerten und eine eigene Titelliste zu erstellen.
Für die Digitalisierung wurden die Schellackplatten mit einem speziell für historische Schellackaufnahmen geeigneten Abtastsystem wiedergegeben. Im Gegensatz zu modernen Vinylplatten besitzen Schellackplatten andere Rillengeometrien und stellen besondere Anforderungen an die Abtastung. Die Wahl des geeigneten Abtastsystems hat daher einen erheblichen Einfluss auf die Klangqualität und die Menge der übertragenen Störgeräusche.
Alle Aufnahmen wurden in hoher Auflösung digital erfasst, um die historischen Aufnahmen möglichst vollständig zu sichern. Anschließend erfolgte eine sorgfältige Nachbearbeitung. Dabei wurden Knackser, Knistern und tieffrequente Störgeräusche reduziert, ohne den historischen Charakter der Aufnahmen zu verändern. Jede Plattenseite wurde einzeln kontrolliert und bearbeitet.
Aus den 600 Schellackplatten entstanden insgesamt 1.200 digitale Audiodateien. Die Benennung der Dateien erfolgte entsprechend der vergebenen Plattennummern, sodass eine eindeutige Zuordnung zwischen Originalplatte, Etikettenfoto und Audiodatei gewährleistet war.
Durch die strukturierte Arbeitsweise konnte das Projekt fristgerecht abgeschlossen werden. Das Museum erhielt sämtliche Digitalisate innerhalb der vorgegebenen vier Wochen und konnte die Fördermittel wie geplant nutzen.
Verwendete Technik:
Plattenspieler EMT 948
Abtastsystem TSD 15
RME AudioInterface
Steinberg Nuendo
iZotope RX
Waves Plugins
Smart Matrix Schallplatten-Waschmaschine
Scanner Epson 10000XL für Cover
CD-Drucker Primera Bravo SE-3